Teufels Stein und himmlischer Genuss

Der neue Donausteig präsentiert sich als 450 Kilometer langes, abwechslungsreiches Gustostück für Genusswanderer.

Von Claudia Jörg-Brosche


Der Blick in die Tiefe fällt auf geschichtsträchtigen Boden: 300 Höhenmeter weiter unten zogen einst Völker, Kriegerscharen und Mönche auf der Nibelungenstraße entlang der Donau dahin. Die Aussicht ist gigantisch: Klein wie Spielzeug liegt der Ort Engelhartszell mit seinem Stift unter uns, eine Miniatur-Fähre überquert den Donaustrom, Matchbox-Autos rollen auf der Uferstraße dahin und so klein wie Ameisen erscheinen Radfahrer. Ich sitze auf einem hoch über die Szenerie ragenden Felsklotz, dem Penzenstein, und träume in die Tiefe. Wanderführer Norbert holt mich in die Gegenwart zurück, zeigt auf mich und meint: „Jaja, da oben hockte auch schon der Teufel!“ Wie bitte, der Teufel – und ich?
Donausteig - Schlögener Schlinge

Eines der Highlights auf dem insgesamt 450 Kilometer langen Donausteig: Der atemberaubende Ausblick auf die Schlögener Schlinge.

© Donau OÖ/Weissenbrunner
Dieses Bild darf bei Nennung des Urhebers honorarfrei verwendet werden.
Der Anfang Juli 2010 eröffnete Donausteig ist sagenhaft – im doppelten Sinn des Wortes: Der brandneue Weitwanderweg ist nicht nur einmalig schön, sondern auch reich an Geschichte und Geschichten. Die insgesamt 450 Kilometer Weg werden stets von Sagen begleitet - sie sind quasi der thematische rote Faden des abwechslungsreichen Steigs. Erzählt werden sie auf Informationstafeln vom oberösterreichischen Märchen-Star Helmut Wittmann.

So soll hier am Penzenstein, einem wuchtigen Granitmonument, einst der Teufel sein Unwesen getrieben haben. Die entlang der Donau wandernden Mönche missfielen ihm so sehr, dass er die Wassermassen mit einer Mauer aufstauen wollte, um die gottgläubigen Herren zu ertränken. Doch der letzte Glockenschlag des Stifts Engelszell ließ sein teuflisches Mauerwerk einstürzen. Wutentbrannt sprang der schwarze Geselle in die Donau. Bis heute zeugen Fußabdrücke im Granit von seinem Zorn. Um ihn für alle Ewigkeit unschädlich zu machen, wurde am Aussichtspunkt eine Kapelle und ein großes Kreuz errichtet. Um ganz sicher zu gehen, wandern wir ins Stift Engelszell weiter (der barocke Prunkbau kann von Gruppen auf Voranmeldung besichtigt werden).

Wanderfutter für unersättliche Kilometerfresser
Mit dem Donausteig haben Weitwanderer ein neues, attraktives Ziel dazu bekommen: Der Weg schlängelt sich immer der Donau lang, am Nord- sowie am Süd-Ufer, zunächst im bayerischen Grenzgebiet, dann quer durch Oberösterreich von Passau bis Grein. Dabei folgt er keineswegs wie der bekannte Donau-Radweg den ebenen Ufern, sondern schlägt eigene Pfade großteils in luftigen Höhen entlang der Höhenrücken, die den Strom zu beiden Seiten begleiten, ein.

Eine perfekte Lösung: So kommen sich Radfahrer und Wanderer nicht ins Revier und der Donausteig präsentiert sich spannend und abwechslungsreich und – ehrlich gestanden - viel sportlicher als erwartet. Die einzelnen Etappen sind zwischen sieben und 32,8 Kilometer lang und es gilt bis zu 850 Höhenmeter pro Tag zu überwinden (etwa auf der Etappe Grein – Waldhausen).

Die Natur- und Kulturlandschaften entlang des Weges sind vielfältig: Von der historischen Dreiflüsse-Stadt Passau aus windet sich die Donau (und ihr neuer Steig) durch die steilen Flanken des Oberen Donautals. Hier durchquert der Fluss ein „Natura 2000“ Europaschutzgebiet mit seltenen Schlucht- und Hangwäldern, Moosen, Flechten und Farnen. Einer der spektakulärsten Bereiche auf der 2.860 Kilometer langen Reise der Donau ist die Schlögener Schlinge: Trotz Millionen Jahren Grabearbeit haben es die Wassermassen nicht geschafft, den harten, vulkanischen Granit zu durchschneiden. So wurde der Strom zu einer zweimaligen 180-Grad-Wendung gezwungen und fließt nun in einem formvollendeten S (übriges auch das Symbol des Donausteigs). Natürlich bietet eine Aussichtsplattform den nötigen Überblick.
Nach dem engen Oberen Donautal folgt die fruchtbare Ebene des Eferdinger Beckens, der Gemüsegarten Oberösterreichs und die weiten Auwälder der Landeshauptstadt Linz sowie rund um die Einmündungen von Enns und Traun. Hier gibt sich der Donausteig von seiner sanftesten Art, bevor die Ufer im Strudengau kurz vor dem Städtchen Grein wieder schroffer und wildromantisch werden.

Wanderschleifen als Verlängerung
Wem die 450 Kilometer am Donausteig noch nicht genug sind, der kann noch diverse Schleifen anhängen - insgesamt 40. Diese sogenannten Donaurunden führen ins Hinterland, zu weiteren Sehenswürdigkeit sowie zu so manchem kulinarischen Gustostückerl. Genussvolles Wandern ist die Devise.

Entlang des Donausteigs bieten insgesamt 64, nach strengen Kriterien ausgewählte Donausteigwirte ihre wohltuenden Dienste an – vom Mostbauern über den urigen Landgasthof bis hin zum komfortablen Viersterne-Hotel. Dank 135 Start-, Rast- und Panorama-Tafeln, speziellen Donausteig-Möbeln aus Holz und Flussgeröll sowie 120 begleitenden Sagen erfährt der Donausteig, für dessen Realisierung Mittel der Europäischen Union und des Landes Oberösterreich zur Verfügung gestellt wurden, eine durchgehende Inszenierung. „Ursprünglich haben wir uns vom Rhein-Steig und den anderen Fluss-Steigen Deutschlands inspirieren lassen,“ gesteht Petra Riffert von der Werbegemeinschaft Donau Oberösterreich, eine der maßgeblichen Geburtshelferinnen des Weitwanderwegs. „Aber dann haben wir vieles anders gemacht,“ gibt sie sich selbstsicher.

Das einheitliche, alle Bereiche einbeziehende Konzept ist in der Tat überzeugend und lässt keine Wünsche offen. Bereits zur Eröffnung ist alles da: detailliertes Kartenmaterial, GPS-Erfassung, Möglichkeiten zum Geo-Caching (der modernen, technikgestützten Art der Schatzsuche), lückenlose, einheitliche Beschilderung, vier Wanderführer (in Buchform), ausgebildete Wander-Guides, Donausteig-Ausrüstung sowie verschiedene Pauschalangebote für jeden Geschmack.
Unsere erste Donausteig-Begehung vergeht viel zu schnell, drei Tage sind einfach nicht genug. Doch wir kommen wieder und planen bereits eine nächste Tour, immer dem Wasser entlang. 450 Wanderkilometer bieten unseren Füßen ja noch ein breites Betätigungsfeld!

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Information

Donausteig
Der 450 Kilometer lange Weitwanderweg wurde nach vierjähriger Vorlaufzeit am 3. Juli 2010 mit einem großen Festakt feierlich eröffnet. Weitwanderer können den gesamten Donausteig von Passau bis Grein in 15 Etappen (eine Richtung) in Angriff nehmen. Die Etappen gestalten sich von der Schwierigkeit her völlig unterschiedlich: Im Oberen Donautal sowie im Strudengau ist der Steig steiler, enger und anspruchsvoller, im Bereich von Eferding, Linz, Enns und Wallsee sind die Wege breiter und einfacher zu begehen. So anspruchsvoll wie ein alpiner Steig wird der Donausteig aber nie! Durchgängige, lückenlose Beschilderung (gelbe Tafeln mit blauem Richtungspfeil) sorgen dafür, dass sich niemand verirrt.

Donaurunden
Zusätzlich zu den 450 Kilometern des Hauptweges führen 40 Donaurunden ins Hinterland – sie zweigen als Rundwanderwege vom Donausteig ab und sind zwischen 1,8 und 26,6 Kilometer lang (gelbe Tafeln mit grünem Richtungspfeil). Das gesamte Wegenetz (inkl. Runden) beträgt 735 Kilometer.

Donausteig-Wirte
64 Gastronomie- und Beherbergungsbetriebe im bayerisch-oberösterreichischen Donauraum (von der Mostschank über Privatpensionen, Landgasthöfe bis zum Vier-Sterne-Hotel) warten auf Wanderer. Diese Spezialisten für Wanderurlaub unterwerfen sich festgelegten Qualitätskriterien und bieten jede Menge Wander-Kompetenz (geführte Wandertouren, Wander-Infothek, Wanderausrüstung leihweise und zu kaufen, Wanderapotheke, Abholservice...).

Donausteig-Pauschalangebote
Verschiedene Packages machen den Wanderurlaub einfach und kostengünstig buchbar – mit maßgeschneiderten Angeboten für jeden Geschmack und Anspruch: z.B. „Ge(h)nuss für Leib & Seele, Wandern mit Kind & Kegel, Kultur- und Natur-Ge(h)nuss, Kombination Donausteig & Donauradweg, Donausteig ohne Gepäck.

Angebotsbeispiel
Familien-Gasthof Weiss, „Schmankerl-Wandertage im Donautal“ mit: Begrüßungstrunk, ein Bier-Schmankerlmenü, Wanderjause, Transfer zum/vom Wanderziel, Nutzung der Wohlfühl-Oase und der Gartenanlage (mit Schwimmbiotop und Streichelzoo), einmal Infrarot, Halbpension – mit zwei Übernachtungen ab € 127,--, mit sieben Übernachtungen ab € 358,-- (http://www.familiengasthof-weiss.at).

Donau-Schifffahrt
Wer müde wird, kann auch die Linien-Schifffahrt Passau – Linz – Wien umsteigen. http://www.donauschiffahrt.de

Anreise
Mit dem Auto aus Richtung Deutschland: auf der Autobahn A1 (Salzburg-Linz) oder A8 (Passau – Wels); aus Wien: A1 (Wien-Linz). Autobahn-Vignette erforderlich!

Mautfrei reisen Sie aus Deutschland kommend entlang der Donauuferstraßen ab Passau an.

Bahn: Bahnanreisende wählen aus den Bahnhöfen Passau, Linz oder Amstetten. Die Donauuferbahn bringt Sie gemütlich ans linke Ufer des Strudengaus; die Mühlkreisbahn fährt von Linz ins Mühlviertel.

Allgemeine Auskunft
Werbegemeinschaft Donau Oberösterreich, Tel. +43(0)732/72 77-800, http://www.donausteig.com, info@donausteig.com
08.07.2010

Pressekontakt

Oberösterreich Tourismus Marketing GmbH
Sabine Günterseder
Freistädter Straße 119
4041 Linz
Tel.: +43 732 7277-552
Fax: +43 732 72779-552
presse@oberoesterreich.at
http://www.oberoesterreich.at



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