Tradition und Handwerkskunst hinter Klostermauern

Ein Streifzug durch die oberösterreichische Welt der Klöster

Lust auf Kultur? Im traditionsreichen Ferienparadies zwischen Dachstein und Böhmerwald gibt es für Urlauber, die der Hektik des Alltags entfliehen wollen, einiges zu entdecken. Besonders was die Kirchen- und Klostertradition betrifft, kann kaum eine europäische Landschaft dem oberösterreichischen Donauraum das Wasser reichen. Manche der Abteien gehen immerhin bis auf die Zeit der ersten österreichischen Besiedelung am Ende der Völkerwanderung zurück
Wanderer beim Stift Schlierbach

Das Stift Schlierbach liegt im idyllischen Tal der Krems.

© OÖ. Tourismus/Röbl
Dieses Bild darf bei Nennung des Urhebers honorarfrei verwendet werden.
Die ehrwürdigen Klöster und Stifte haben bis in die Gegenwart nichts von ihrer Strahlkraft verloren. Egal ob es sich um die uralte Benediktinerabtei in Kremsmünster handelt oder um das einzige österreichische Trappistenkloster in Engelszell: Die Ordenskultur im tiefkatholischen Oberösterreich ist so lebendig wie eh und je. Der Grund: Die Klöster sind mit der Zeit gegangen. So öffnen einige der ehrwürdigen Ordenshäuser inzwischen ihre Pforten auch für Urlaubsgäste. Und diese nehmen das Angebot dankbar an. Man-che Touristen kommen, um Bibliotheken zu besichtigen, um authentische Kirchenmusik zu hören oder um Kunsthandwerk und Spitzengastronomie zu genießen. Andere nutzen die ruhige Atmosphäre der Klöster für Seminare und Tagungen; wieder andere schließlich kommen einfach zur Erholung in die idyllisch gelegenen Abteien. Besonders zu Ostern und zu Weihnachten entdecken immer mehr Menschen die ruhige Welt einer klösterlichen Gemeinschaft für sich.

Hinter den Klostermauern erwarten sie natürlich weder Gruselromantik à la Umberto Eco noch spartanische Klosterzellen. Im Gegenteil: Launige Mönche, moderne Unterkünfte und urige Weinkeller beweisen, dass das Leben in einem Stift nichts mit Humorlosigkeit oder Weltflucht zu tun hat.

Die ältesten Klöster in Oberösterreich erinnern an die Zeit, als bayrische Siedler in den Donauraum vordrangen. Das Stift Kremsmünster beispielsweise wurde 777 vom Bayernherzog Tassilo III. als Ausgangspunkt für die Christianisierung gegründet. Aus dieser Zeit stammt auch der weltberühmte Tassilokelch. Geprägt ist das Benediktinerkloster in seiner äußeren Er-scheinung jedoch von der Barockzeit, als die beiden Baumeister Carlo Antonio Carlone und Jakob Prandtauer die Abtei erweiterten. Dank der reichen Bibliothek und einer 250 Jahre alten Sternwarte ist Kremsmünster heute noch Anziehungspunkt für Besucher aus aller Welt.

Ebenfalls aus dem 8. Jahrhundert stammt das Augustiner Chorherrenstift St. Florian. In seiner Anfangszeit von heidnischen Heeren schwer bedrängt, entwickelte sich dieses Kloster später zu einem Zentrum der Musik. Die Sängerknaben des Stiftsgymnasiums tragen den Ruhm der barocken Gemäuer noch heute in alle Welt. Der berühmteste Spross von St. Florian liegt indessen im Kloster unter einer Orgel begraben, die seinen Namen trägt: Anton Bruckner.

Auch das Kloster von Reichersberg ist ein Augustiner Chorherrenstift. Es gilt noch heute als religiöses Zentrum des Innviertels und als internationales Zentrum für Glasmalerei. Eine andere Kunst, nämlich die des Bierbrauens, wird im Stift Schlägl am Böhmerwald gepflegt. Schon der Name „Schlägl“ zeugt davon, dass die Prämonstratenser Chorherren ganz entscheidend zur Rodung und Urbarmachung des Böhmerwaldes beigetragen haben. Die Stiftsbrauerei Schlägl ist heute die letzte noch tatsächlich in Klosterbesitz befindliche Bierproduktion Österreichs.

Im Stift Schlierbach wiederum wird Österreichs berühmtester Weichkäse, der Schlosskäse, erzeugt. Die umtriebigen Zisterzienser von Schlierbach beleben seit Jahren mit innovativen Weiß- und Rotschimmelkulturen die alpine Milchverarbeitung und haben sich auch mit biologischen Produkten einen guten Namen gemacht. Für Besucher des Stiftes Schlierbach hat man eine eigene Schaukäserei eingerichtet. Schweigsamer aber ebenfalls gastfreundlich sind die Brüder des Trappistenklosters Engelszell am Oberlauf der Donau. Sie erzeugen Schnaps- und Likörspezialitäten, die speziell von Radwanderern an der Donau gerne verkostet werden.

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24.02.2011

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