Vom Bratwürstlsonntag bis zum Glöcklertag

Kaum sind die letzten Melodien zu den traditionellen Kathreintänzen Ende November verstummt - da kündigt sich in Oberösterreich, dem abwechslungsreichen Landstrich zwischen Dachstein und Böhmerwald, schon die stark von bodenständigem Brauchtum und religiösen Festen geprägte Weihnachtszeit an.
Glöcklerlauf in Gmunden

Im ganzen Salzkammergut sind sie am 5. Dezember unterwegs, die Glöckler mit ihren kunsvoll verzierten und beleuchteten Lichterkappen.

© OÖ. Tourismus/Heilinger
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Kaum sind die letzten Melodien zu den traditionellen Kathreintänzen Ende November verstummt - da kündigt sich in Oberösterreich, dem abwechslungsreichen Landstrich zwischen Dachstein und Böhmerwald, schon die stark von bodenständigem Brauchtum und religiösen Festen geprägte Weihnachtszeit an. Mit einer Vielzahl von Veranstaltungen verführt Oberösterreich Brauchtumsliebhaber zu unvergesslichen Urlaubstagen.

Die traditionellen Bräuche, die ihren Ursprung meist in heidnischen Zeremonien haben, sind in den ländlichen Gebieten des Landes zwischen Enns und Inn am ursprünglichsten erhalten geblieben. Auf reizende Weise bemühen sich etwa Bauernfamilien, dem Gast bei einem Weihnachtsurlaub am Bauernhof diese tiefverwurzelten Traditionen näher zu bringen.

Dass dabei historisch-kulinarisches besonders berücksichtigt wird, zeigt sich schon am 1. Adventsonntag, dem „Bratwürstelsonntag“. Die Tradition, an diesem Tag das „Arme-Leute-Essen“ aufzutischen, läßt sich mehrere Jahrhunderte zurückverfolgen. Ab diesem Tag jedoch werden riesige Vorräte an duftenden Keksen, Lebkuchen und anderen süßen Naschereien, wie etwa dem Kletzenbrot - das aus allen um diese Jahreszeit verfügbaren Früchten bereitet wird - gebacken.

Fast überall im Land werden unter anderem kleine selbstgemachte Kunsthandwerke auf Advents- und Christkindlmärkten verkauft. Zwischen den „Standeln“ am Hauptplatz in Linz, im Schloss Weinberg bei Kefermarkt
oder am Platzl in Garsten nahe der alten Eisenstadt Steyr, vermischt sich der Duft von würzigem Glühwein mit den Klängen bekannter Weihnachtslieder. Auch der Besuch einer Krippe, beispielsweise im Stift Reichersberg oder in Christkindl, dient der Einstimmung auf die Weihnachtszeit.

Bei der „Kripperl-Roas“ rund um Steyr werden verschiedenste Krippen besucht - unter anderem die größte Krippe der Welt, die Pöttmesser Krippe (mit 778 Figuren!) und das Steyrer Kripperl, das älteste noch bespielte Stockpuppentheater Europas. Bei verschiedenen privaten Krippen-Ausstellungen im Salzkammergut geben die bodenständigen Künstler gerne Auskünfte und Tipps.

Die Gegend rund um die über 1000 Jahre alte Stadt Steyr ist mit den zahlreichen vorweihnachtlichen Aktivitäten wohl Zentrum des österreichischen Advent-Brauchtums. Hier wohnt auch das Christkind - in Wachs gegossen - in der Wallfahrtskirche des gleichnamigen Ortes. Das weltberühmte Sonderpostamt A-4411 Christkindl feierte 1999 sein 50-jähriges Bestehen. Heuer werden ab 1. Dezember Briefe aus aller Welt mit dem begehrten Sonderstempel versehen. Bis 26. Dezember zeigt der Stempel ein weihnachtliches Motiv, ab 27. Dezember die Heiligen Drei Könige.

Südlich von Steyr im Tal des gleichnamigen Flusses liegt der verträumte Ort Steinbach an der Steyr. Die Bewohner der acht Häuser am Ortsplatz gestalten im Advent 24 Fenster mit religiösen und weihnachtlichen Motiven. An jedem Tag wird eines der bunten Fenster des „Steinbacher Adventkalenders“ geöffnet, bis am Heiligen Abend der ganze Platz - zusätzlich natürlich mit Weihnachtsbaum geschmückt - im Lichterglanz erstrahlt.

Im Mühlviertel, dem waldreichen Granithochland nördlich der Donau, findet sich ein weiteres Unikat der Weihnachtsgeschichte: der Kefermarkter Flügelaltar. Die Reliefbilder der unbeweglichen Seitenflügel dieses spätgotischen Altars stellen die Geburt Christi und die Anbetung des Christkindleins durch die Heiligen Drei Könige dar.

Bis die Heiligen Drei Könige aber wirklich singend durch die Straßen Oberösterreichs ziehen und Geld für Menschen in Not sammeln, dauert es noch. Erst zaubert am Abend des 5. Dezembers der Nikolaus Nüsse, Äpfel und andere Überraschungen für die Kinder aus seinem Sack, während seine furchterregend gekleideten Begleiter, die „Kramperl“, auf Oberösterreichs Straßen ihr Unwesen treiben.

Mit Adventsingen in fast allen oberösterreichischen Ortschaften wird die besinnliche Zeit bis zum Heiligen Abend zusätzlich verschönert. Für diesen höchsten Tag des Kirchenjahres entwickelte sich im Laufe der Jahre ein sehr schöner Brauch: Kirchgänger nehmen in Laternen das Friedenslicht von der nachmittäglichen Kindermette mit nach Hause, um von ihren Fenstern aus Zufriedenheit weiterzugeben. Stille Besinnlichkeit kehrt ein in die Häuser, in denen besonders die Kinder auf das „Christkind“ warten. Im Salzkammergut wird diese „Rauhnacht“ mit speziellen Ritualen begangen. Musikalisch klingt der Tag aus, wenn nach der Mitternachtsmette Turmbläser alte Weisen anstimmen.

Den Weihnachtsfeiertagen folgt ein traditioneller Abend in gemütlicher Wirtshausrunde: Am 26. Dezember treffen sich Einheimische und Gäste in den Gasthäusern des Salzkammergutes zum „Krambambulibrennen“, wobei Zucker in angezündeten Schnaps eingeschmolzen wird.

Mit unzähligen Veranstaltungen, Feuerwerken, Böllerschießen und beim „Aperschnalzen“ vor dem Linzer Landhaus und in Enns am Neujahrstag wiederum wird der Jahreswechsel fröhlich lärmend begrüßt. Etwas lauter geht es auch am 5. Jänner in Gmunden zu. Da ziehen die Heiligen Drei Könige - mit dem Schiff über den Traunsee kommend - singend am Rathausplatz ein. Anschließend horcht ebenso wie in Traunkirchen, Altmünster, Ebensee, Bad Ischl, Bad Goisern, Obertraun und Schörfling alles auf das Gebimmel und den Gesang der „Glöckler“. Diese weiß gekleideten Männer, die selbstgebaute, oft meterhohe Lichtkappen auf dem Kopf tragen, läuten mit Kuhglocken bereits den närrischen Fasching ein und vertreiben vor allem die Finsternis des Winters.

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19.09.2011

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