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Geistreiches aus dem Kremstal

Altpernstein thront einer Trutzburg gleich hoch über dem Kremstal. In ihrem Schatten gedeiht gar Wundersames, dass man im Auf und Ab von Bauernhöfen und Streuobstwiesen nicht unbedingt vermuten würde. Glasklar und mit "reinem Gewissen" kann ein ganz besonderer Gin "Made in Oberösterreich" genossen werden. Gebrannt wird er auf 800 Metern Seehöhe.

Roman Winter, ein Edel-Tischler sowie Nebenerwerbslandwirt, hat sich mit seinem deutschen Mieter Reinhold Häußer, einem pensionierten Vertriebsmanager, der im Kremstal ob dessen Schönheit hängen blieb, zusammengetan, um bedingungslos der Qualität zu huldigen. Und das in hohen Prozenten. Es sind exakt 50, die deren Gin in Alkohol namens "arg High Dry" aufweist.

Bei den Kräutl'n, den geschmackgebenden "Botanicals", wie Fachmann und Fachfrau sagen, haben sich die beiden auf vier beschränkt. Andere nehmen etwa 20. "Weniger ist mehr", sagt Häußler. Und klar doch müssen sie regional sein. Wacholder ist die gesetzte Gin-Bank. Sie wird mit Koriander, frischer Melisse und Speik aus luftiger Alm-Höhe vermählt. "Alles ist bio-zertifiziert und wir brennen nur in kleinen Mengen", sagt Häußer. Er stammt aus Ennerich bei Limburg an der Lahn in Hessen und macht keine halben Sachen.

Der Macht des Mittelmaßes nicht zu erliegen war deshalb selbstverständlich. Wieso das Unternehmen der beiden Prozente-Ritter "Reines Gewissen" heißt, wird vom meisterhaften Markttechniker Häußer mit einem Gemurmel aus "Alkohol bewusst und in Maßen genießen" beantwortet, sowie "glasklaren Vorstellungen von Qualität".


Wir sind schon ein bisserl merkwürdig, wir beide. Wir wollen alles perfekt machen. Deshalb haben unsere bisher sieben "Reines Gewissen"-Spirituosen allesamt internationale Preise eingeheimst.
Roman Winter
Unikats-Tischler, Nebenerwerbslandwirt,
Abfindungsbrenner und Träger "reinen Gewissens".

Klein, aber fein

Die Idee wurde 2015 geboren. Den Gin und andere Spirituosen von "Reines Gewissen" gibt's auch aus der mit dem  Bauernhaus verbundenen Abfindungsbrennerei. Etwa Vogelbeer- und Selleriegeist produzieren die beiden seit 2016. "Wir sind nicht mengengetrieben", sagt Häußer in reinstem Manager-Sprech. Roman Winter, der Tischler, hat nicht nur den edlen Verkostungsraum in Holz gehüllt, sondern gleich das ganze Bauernhaus. Dass hier mangels Empfang kein Handy klingelt, wird als befreiend empfunden. Die beiden werden auch so von Gin- und Destillat-Liebhabern gefunden. Denn Geistiges aus der Abfindungsbrennerei darf nur ab Hof verkauft werden. Den Gin und andere Spirituosen von "Reines Gewissen", die nicht darunter fallen, gibt's  auch in auserwählten Läden.

Die glattpolierte 120-Liter-Destille steht in einem kleinen Häuschen in Altpernstein 36, dessen Eingang gut und gerne auch als einer zu einem Mostkeller durchginge und somit ziemlich gut "getarnt" ist. Das Streuobst dafür gäbe es ja und es werden obendrein ständig neue, alte Sorten gepflanzt. Allein, es geht um Destillerie und nicht um Most.

Obendrein wird "beim Brennen" viel experimentiert. Sogar einen Absinth hat man gebrannt, einen ziemlich guten. Aber dann habe man ein bisserl von sich selbst überrascht befunden, dass man das eigentlich nicht machen wolle, sagen Winter und Häußer mit "reinem Gewissen".

"Jedes Jahr gibt es aber ein, zwei neue Produkte und wir machen natürlich nur, was uns beiden auch schmeckt", so die Zwei. Was ihnen konveniert, erfreut auch die Preisrichter. Alle sieben bisher für den breiten Verkauf produzierten Produkte sind preisgekrönt. Ein Drittel wird in der Region verkauft, die Hälfte geht nach Deutschland (was auch der Herkunft des Brenners Häußer geschuldet ist). Der Rest geht zu Händlern nach Wien und nach Klagenfurt.


Wir machen nur, was uns beiden auch schmeckt.
Reinhold Häußer
Pensionierter Vertriebsmanager mit "reinem Gewissen"

Das kann etwa auch "Oida Pernstoana" sein,  ein geschickt gemixter Sieben-Kräuterbitter, der gänzlich ohne Zucker auskommt. Gin wird schlau auch als Basis eingesetzt, auf der ein Likör aus Dirndln, alias Kornelkirschen, fußt. Oder er wird mit Honig zu einem Likör "mit Damenfaktor" versetzt. So haben alle ein "reines Gewissen". "Brenner" darf sich Häußer übrigens mit Fug und Recht nennen. Schließlich hat der Anfang-Siebziger die Destillateur-Ausbildung bei einem Lehrgang der Uni Hohenheim bei Stuttgart absolviert.

"Wir haben heute mehr geredet als sonst in einer ganzen Woche", befindet das ihrem eigenen Qualitätsstreben ausgelieferten Duo nach einer Stunde plötzlich. Nur mehr wenige Worte gibt es als Draufgabe. Das können "Prost" oder "Wohl bekomm's" sein. Denn schließlich will bedingungslose Qualität auch bedingungslos genossen werden.

Auf den Spuren des Gin im Kremstal