© Foto: Chris Gütl: Stefan Spiessberger am Pumpfoil
Stefan Spiessberger am Pumpfoil
Stefan Spiessberger am Pumpfoil

Wind unter dem Flügel.

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Kitesurf- und Wingfoil-Profi Stefan Spiessberger

Morgens, fünf Uhr im Salzkammergut: Über das tiefblaue Wasser des Traunsees zieht eine kühle Brise. Mittendrin gleitet ein junger Athlet schwerelos über das Wasser. Auf einem Hydrofoil bewegt er sich lautlos fort. Aus der Distanz ist ein leichtes Zischen zu hören, dann packt ihn der Wind und der junge Mann katapultiert sich mit einem gekonnten Manöver aus dem Wasser hoch in die Luft. "Es gibt nichts Besseres", sagt Stefan Spiessberger, seines Zeichens einer der weltbesten Kitesurfer und Wingfoiler.

© Foto: Chris Gütl: Stefan Spiessberger am Traunsee
Stefan Spiessberger am Traunsee

"Der Stef", wie ihn am See alle nennen, ist weit über die Grenzen des Salzkammerguts hinaus bekannt. Er gehört zur internationalen Elite im Kitesurf- und Wingfoil-Sport und hat die Kite World Tour jahrelang geprägt. Eine echte Sensation, denn kaum ein "Binnenländler" schafft es in diesem Sport bis ganz nach oben. Um eine derart beachtliche Karriere hinzulegen, braucht es mehr als "nur" Talent. Es erfordert Zielstrebigkeit und Hingabe.

Das erste selbst verdiente Geld als Praktikant in der am Südufer des Traunsees gelegenen "Windbar" in Rindbach investierte er sofort in eine Kite-Ausrüstung: "Von diesem Zeitpunkt an gab es für mich nur noch eines – das Kiten." So radelte der damals 16-Jährige mangels Führerschein jeden Tag zum See – die große, sperrige Kite-Ausrüstung auf den Rücken geschnallt. Der Ebenseer weiß, dass dieser Anblick wohl so manchen zum Schmunzeln brachte und grinst: "Ein schmächtiger Bursch am Rad, der regelrecht unter seinem Gepäck verschwindet. Manche haben mich für verrückt gehalten."  

 


Für mich gab es immer nur Wasser. Irgendwann wollte ich einfach am liebsten die ganze Zeit am See verbringen.
Stefan Spiessberger
© Foto: Chris Gütl: Stefan Spiessberger bei der Lakebase am Traunsee
Stefan Spiessberger bei der Lakebase am Traunsee

Stefan Spiessberger ist ein Ausnahmetalent und kennt das Salzkammergut wie kein anderer: "Hier in Traunkirchen sind die Bedingungen am frühen Morgen großartig, und im Herbst, Frühling und Sommer durch die thermischen Winde an fast jedem Tag konstant. Der Temperaturausgleich zwischen See und Ufer sorgt für eine gute Brise. Man muss aber wirklich früh dran sein, denn gegen sieben Uhr lässt der Wind meist schon wieder nach – deshalb heißt es bei mir im Sommer schon um 4:30 Uhr raus aus den Federn." Die Euphorie, wenn er über den Wassersport in seiner Heimat spricht, steht ihm ins Gesicht geschrieben. Es ist dieser besondere Glanz in seinen Augen – ganz so, als wenn sich das Sonnenlicht im Sommer frühmorgens an der Oberfläche des Traunsees bricht.

Einmal um die Welt und zurück

Nach dem Schulabschluss 2009 zog es den Abenteurer in die Ferne: Brasilien, Australien, Spanien und Wettbewerbe rund um den Globus: "Ich wollte einfach mehr von der Welt sehen und bin viel herumgereist. Selbstverständlich waren Kite und Board immer dabei, so habe ich die Zeit auch intensiv zum Training genutzt." Die internationalen Erfolge im Kite Freestyle ließen nicht lange auf sich warten. Zehn Jahre als erfolgreicher Kite-Profi folgten, heute gilt Stefan als Österreichs Aushängeschild der Sportart.

© Foto: Chris Gütl: Stefan Spiessberger am Wingfoil
Stefan Spiessberger am Wingfoil

Perspektiven einer Seenlandschaft

Ende 2019 zog es den Salzkammergütler aber wieder zurück. Heute trifft man "den Stef" wieder regelmäßig am Traunsee. Wenn nicht in Rindbach oder in Traunkirchen, dann in Gmunden am Ostufer des Sees: "Bei Ostwind ist das der beste Spot am See. In der Nähe vom Hammerschied unterhalb des Traunsteins kann man besonders mit Wingfoil oder Surfbrett eine Menge Spaß haben."

© Foto: Chris Gütl: Stefan Spiessberger am Wingfoil
Stefan Spiessberger am Wingfoil

Stefan lebt inmitten des oberösterreichischen Seengebiets, sodass sich auch reichlich Alternativen anbieten, wenn der Wunsch nach etwas Abwechslung zum gewohnten Terrain des Traunsees sich meldet. Er macht sich dann unter anderem gerne auf den Weg zum Attersee, der auch als das "oberösterreichische Meer" bezeichnet wird - mit seinem Pump-Foil im Gepäck: "Das Pump-Foil ist ein etwas weniger voluminöses Board als das Wing Foil. Der Vorteil ist, dass man – selbst ohne Wind – mit der reinen Kraft der Beine durch Pumpbewegungen über dem Wasser schweben kann." Auch den Attersee kennt Stefan wie seine Westentasche: "Die Geografie macht's, dass am Attersee auch mal Wind ist, wenn am Traunsee Flaute herrscht. Zum Surfen eignet sich besonders der Spot am Ostufer des Sees bei Seewalchen. Dort findet man gute Bedingungen bei West- und Ostwind. Auch mit dem Wing kann man dort Spaß haben, Kiten jedoch ist wegen des Zugangs zum See eher schwierig." Auch das am südlichen Ende des Attersees gelegene Unterach bietet hervorragende Bedingungen zum Foil pumpen an einem Sommertag mit ruhigem Wasser, ohne dass es eines Schirms oder Kites bedarf.

Eine neue Sportart im Gepäck

Nervenkitzel gehört zu Stefan wie der Wind in den Segeln: Mit seinem Freund Max Matissek wollte Stefan einfach was Verrücktes machen: "Wir hatten die Idee auf dem höchsten Bergsee Österreichs zu kiten, aber allein der Aufstieg auf den Schwarzsee mit dem ganzen Equipment, das wäre zu mühsam gewesen. Darum überlegten wir uns Optionen. Schließlich entschieden wir uns, das Ganze mit einem Wing anzugehen."

Das spektakuläre Video der beiden Sportler, die am Bergsee Wing Foilen, ging rasch viral – und brachte nicht nur dem WingFoilen, sondern auch den beiden Protagonisten eine Menge Publicity. Stefan resümiert: "Irgendwann hat Reuters das Video übernommen und plötzlich sah die ganze Welt zwei Österreicher auf einem Gletschersee beim Wingfoilen zu. Ich hatte bald erkannt, welches Potenzial dieser Sport hat."

Auf zwei Beinen steht man besser

Doch wie könnte es anders sein hat Stefan der Ehrgeiz nicht verlassen, sein Können auch wieder in Wettkämpfen unter Beweis zu stellen. So ist er mittlerweile im Wing Foil World Cup unterwegs – und das höchst erfolgreich: "Der Sport ist jung und die Leistungsdichte noch nicht ganz so groß wie beim Kiten. Aber die Entwicklung ist rasant und die Wettkampfformate wachsen entsprechend."

Auch als Entrepreneur sammelte er bald Erfolge: er gründete die "Lakebase" am Traunsee, nur einhundert Meter entfernt von der "Windbar", wo alles seinen Anfang nahm.

In der Lakebase bringt er neben Wingfoil- und Kitesurf- Kursen unterschiedlichen Altersgruppen auch klassische Wassersportarten wie Windsurfen, Segeln oder das Stand Up Paddle (SUP) näher: "Ich wollte mir ein zweites Standbein schaffen. Unser Angebot hat sich etabliert und ich bin sehr zufrieden wie sich die Lakebase entwickelt."

Stefan hegt dabei den besonderen Wunsch, das nächste oberösterreichische Talent zu entdecken und zu fördern: "Langfristig habe ich das Ziel, junge Kiter und Wing Foil Athleten zu motivieren und zu coachen und sie auf ihrem Weg zu begleiten." Und wer nimmt nicht gerne Unterricht bei einem der Besten seiner Zunft?

Das kleine Wassersport-Lexikon

Kite-Boarden / Kite-Surfen

Der "Kite" ist ein Schirm, der mit langen Leinen mit dem Körper verbunden ist. Mit diesem Schirm kann der/die Sportler:in entsprechend mit dem Wind arbeiten, um Geschwindigkeit beziehungsweise Antrieb zu generieren. Beim Kiten gibt es verschiedene Disziplinen: Kite Freestlye, Race, Slalom und Wave.

Hydrofoil

Ein Hydrofoil wird an die Unterseite eines Boards befestigt und funktioniert ähnlich wie der Tragflügel eines Flugzeugs. Bei steigender Geschwindigkeit wird mittels dynamischen Auftriebes der unter Wasser liegende Tragflügel während der Fahrt angehoben und das Board steigt aus dem Wasser. Durch starke Reduktion der Reibung ist es mit Hydrofoils möglich fast schwerelos über dem Wasser zu gleiten.

Pump Foil

Auch beim Pump Foil steht man auf einem Board mit Hydrofoil, allerdings ohne Wing. Der/die Sportler:in erzeugt nur mittels Beinkraft durch Pumpbewegungen Auftrieb. Für gewöhnlich kann ein Pump Foil auch hinter einem Motorboot in der dadurch entstandenen Welle gesurft werden.

© Foto: Chris Gütl: Stefan Spiessberger am Pumpfoil
Stefan Spiessberger am Pumpfoil

Pump Foil

Wing Foiling

Das Wing Foilen hat sich aus den Sportarten Kiten und Windsurfen entwickelt. Der/die Sportler:in steht auf einem Board und hält dabei einen Wing, der in den Wind gestellt wird, direkt in den Händen. Dieser Wing ist eine Art aufblasbares Segel. Damit wird sowohl Auf,- als auch Vortrieb generiert und die Athlet:innen bewegen sich auf dem Wasser fort. Steht man mit einem Wing auf einem Board mit Hydrofoil spricht man vom Wing Foilen.

© Foto: Chris Gütl: Stefan Spiessberger am Wingfoil
Stefan Spiessberger am Wingfoil

Wing Foil

Mit Stefan Spiessberger durch das Salzkammergut