Live.
Wien ist die Stadt der großen Bühnen. Andreas Rainer schaut trotzdem woanders hin: in die kleinen Gassen, ins Kaffeehaus, in die U-Bahnstation, in den Supermarkt. Dort sammelt er seit acht Jahren Zitate und Skurrilitäten, dort geben einander Komödie und Tragödie täglich die Hand, und dort entsteht das Material, dem über 300.000 Menschen als "Wiener Alltagspoet" folgen.
Jahrelang blieb er dabei anonym. 2025 stellte er sich zum ersten Mal auf eine Bühne, sämtliche Termine waren restlos ausverkauft. Er erzählt an diesem Abend die Geschichte der Wiener Alltagspoeten, führt anhand der beliebtesten Zitate durch acht Jahre Feldforschung, klärt, warum er ausgerechnet in Graz und in Badehose erkannt wird, und würdigt eine bislang unterschätzte Textgattung: den Stiegenhaus-Zettel.
Der Rest ist ein Überlebensleitfaden. Wie kann eine Stadt gleichzeitig die lebenswerteste und die unfreundlichste der Welt sein? Wieso hat man hier die Muße, einen ganzen Nachmittag im Kaffeehaus zu vertrödeln, schreit aber panisch nach einer zweiten Kassa, sobald drei Leute vor einem anstehen? Aus Bildern, Texten und Zitaten entsteht das Bild einer Stadt, in der mit Prunk um sich geworfen wird, während zwanzig Meter weiter schon die Welt untergeht.
Jetzt also erstmals in Linz, einer Stadt, mit der ihn seit Jahrzehnten einiges verbindet und die selbst reichlich Poesie-Potenzial mitbringt.
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