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Bleibt alles anders

Von Oberösterreich Autorin Lisi Hager

Die Salzkammergut Trophy-Sieger und -Teilnehmer im Wandel der Zeit: ihre Ziele, ihre Motivation, ihr Material; und wie sich der Marathon selbst entwickelt hat. Eine Rück- und Rundschau anlässlich seines zwanzigjährigen Jubiläums.

Dinge passieren. Manchmal geplant, manchmal ohne unser Zutun; manchmal gewollt, manchmal einfach so. Erfreuliche Dinge, und unerfreuliche. Auch und erst recht im Rahmen eines sportlichen Wettkampfs, der auf bald zwanzig Jahre Geschichte und unzählige Akteure zurückblicken kann.

Und eigentlich ist dieser Wettkampf selbst ja ebenfalls solch ein Ding. Denn wer hätte gedacht, dass aus der verregneten, kalten Erstausgabe mit mörderischen Streckendaten (210 km/7.000 Hm, "Kurzdistanzen" über 155 bzw. 75 km) und lediglich 220 Teilnehmern (davon 20 auf der Extremdistanz, Ausfallsquote 50%) einst Österreichs größter und Europas legendärster MTB-Marathon werden würden?

Nach diesem 11. Juli 1998 wohl nicht mal mehr seine Erfinder. Drei Salzburger Marathonfahrer, Triathleten und Hobby-Rennveranstalter hatten von einem "Ironman für Mountainbiker" geträumt, mit dem sich dank tausender Starter Millionen scheffeln lassen würden. Streckentechnisch war man im nahen Salzkammergut fündig geworden, wo ein damals einzigartiges, aber noch weitgehend unbekanntes MTB-Wegenetz potenzieller Gäste harrte.

Salzkammergut Mountainbike Trophy - Start der 211 km Distanz

Legendär seit Anbeginn: der Start zur 210 km langen Extremdistanz im Morgengrauen. Anfangs wagten 20 Fahrer das Abenteuer. Mittlerweile sind's 700.

1.300 freigegebene Kilometer - eine schier unendliche Spielwiese. "Wir waren total naiv", gesteht Mastermind Martin Huber rückblickend eine grobe Fehleinschätzung dessen, was Hobbybiker als fordernde, aber noch machbare und deshalb attraktive Distanz empfinden. 20 Jahre später ist seine Vision - abzüglich Reichtum, zuzüglich kürzerer und somit massentauglicher Strecken, familienfreundlichem Rahmen- und nischentauglichem Komplettprogramm sowie neuer Mitorganisatoren und einem Heer von Helfern - doch noch Wirklichkeit geworden.

Mountainbiken am Dachstein im Salzkammergut

Alle Jahre wieder einer der magischen Momente für die Frühaufsteher am ersten Anstieg - sofern das Wetter passt: Der Dachstein bei Sonnenaufgang.

Einrad-Downhill bei der Salzkammergut Mountainbike Trophy

Spektakuläres Nischenprogramm: Die Einradfahrer haben auf den Strecken G und F nicht nur eine separate Marathon-Wertung. Sie küren im Rahmen eines Rennens vom Predigstuhl auch seit 2008 ihre Staatsmeister im Muni-Downhill.

Kinderrennen bei der Salzkammergut Mountainbike Trophy

Eine Bühne für die Stars von morgen: Die Junior Trophy, anfangs noch in Gosau stationiert, heute mittendrin im Geschehen beim Event-Zentrum, gilt als Highlight des Kinderprogramms.

Und es war ausgerechnet das Festhalten an der Extremdistanz, das der Salzkammergut Trophy zum Durchbruch verhalf.

Foto: Erwin Haiden/nyx.at: Andi Goldberger bei der Salzkammergut Mountainbike Trophy

Auch Überflieger Andreas Goldberger ist Trophy-Fan. Von Sturz, Defekt und Aufgabe bis A-Finish hat er in Bad Goisern schon viel erlebt.

Felspassage bei der Salzkammergut Mountainbike Trophy

Ein Großteil der Strecken ist technisch einfach und mit einem Hardtail ideal zu bewältigen. Manchmal wäre aber auch ein Fully fein ...

Foto: Erwin Haiden/nyx.at: Mountainbiken bei der Ewigen Wand im Salzkammergut

Das Wahrzeichen der Salzkammergut Trophy, die "Ewige Wand". Ewig schade, wer auf diesem in den Fels gesprengten Tunnelweg keinen Blick auf die ihm zu Füßen liegende Welterberegion wirft.

Treue Wegbegleiter

Wobei die Rechnung ohne die frühen Fans aus Nah und Fern, sozusagen lebende Werbetrommeln, vermutlich nie aufgegangen wäre. Einsame Rekordhalter mit bis dato 18 Starts sind ausgerechnet zwei Goiserer: Christian Fischer und Ingrid Urstöger. Einer der fünf "Siebzehner" ist Robert Matusek: Bereits bei der Premiere erfolgreicher Finisher auf der Extremdistanz, kommt der Ungar bis heute regelmäßig zurück - wenn nicht als Aktiver, dann zum Helfen, denn...


Ein Sommer ohne Trophy ist irgendwie nicht vollständig.
Robert Matusek

Patrick Åserud

Ungleich weiter reist alle Jahre wieder Patrick Åserud an. Aus dem fernen Norwegen kommt der Mittvierziger mal mit Kind, mal mit Kegel seit 2000 ununterbrochen für je eine Woche ins Salzkammergut und hat dabei von Siegertreppchen (gemeinsam mit seinem Bruder Niklas auf der A, geschlagen nur von Straßenprofi Gerrit Glomser) bis Ausfall schon alle Höhen und Tiefen des Ausdauersports erlebt.

Das Jubiläum würde der Pädagoge, der sich daheim vorrangig mit Langlaufen fit hält, gerne mit einem Podiumsplatz nach 50 Kilometern Vollgas begehen ...

Aserud Brüder bei der Salzkammergut Mountainbike Trophy

Das norwegische Brüderpaar Patrick (vorne) und Niklas Åserud, unterwegs zu Rang 3 und 2 im Jahr 2000. Ersterer wurde nach seinem fulminanten A-Debüt Stammgast - er kommt seither jedes Jahr.

Gerrit Glomser

Gerrit Glomser, schon bei seinem ersten Antreten von den Zuschauermengen überrascht, freut sich anlässlich seiner Rückkehr zum runden Geburtstag vor allem auf die vielen bekannten Gesichter.

Anita Krenn

Anita Krenn, legendäre erste Österreicherin auf der Extremdistanz 2003, würde alleine "keinen Meter fahren" und findet einzig im gemeinsamen Erleben und Wettstreit mit Gleichgesinnten den Ansporn, sich zu quälen. 

Profibikerin Anita Krenn bei der Salzkammergut Mountainbike Trophy

Anita Krenn, wie sie leibt und lebt: Ärmellos, kämpferisch, zielstrebig, schnell. 2003 schrieb die Lokalmatadorin Trophy-Geschichte ... Sieg auf der Extrem als erste österreichische Finisherin!

René Reidinger

Und René Reidinger, 15-facher Wiederholungstäter aus Wien, erlebte einen seiner wärmsten Trophy-Momente ausgerechnet im bis dato eisigsten Jahr:

Schlotternd vor Kälte fand er beim Wintereinbruch 2009 Aufnahme in der Feuerwache von Altaussee, wo er rührend umsorgt wurde, bis der Shuttlebus kam.

René Reidinger bei der Salzkammergut Mountainbike Trophy 2016

René Reidinger hat gut lachen: Ihn treibt bei seinen Trophy-Teilnahmen nie ein Tacho oder Pulsgerät, sondern stets nur das unglaubliche Publikum.

Aber was ist es, das In- wie Ausländer, Sprinter wie Langstrecken-Spezialisten, Profis wie Hobby-Biker gleichermaßen fasziniert? Wenn man sie fragt, taucht ein Aspekt immer wieder auf: der menschliche.

Family and friends

"Die Atmosphäre ist einzigartig", bringt es der Langstrecken-Fan, der zum Salzkammergut-Fan wurde - seit Tochter Lisa auf der Welt ist, kombiniert er den Marathon mit zwei Wochen Familienurlaub - auf den Punkt. Erst während dieser Auszeit verspürt der 48-Jährige, der früher meist mit Vereinskollegen anreiste, so etwas wie Rennfieber, und dann meldet der Top20-Anwärter dort, wo noch ein Plätzchen übrig ist: meistens A, alternativ E.

Anita Krenn

Anita Krenn hingegen hat einen klaren Lieblingskurs. "B. Da tu ich auch genug, habe aber in der Früh noch Zeit, die Zweihunderter anzufeuern."

Das macht die schnelle Lokalmatadorin umso lieber, seit ihr als Folge der Internationalisierung des Wettkampfs unterwegs die Gesprächspartner abhanden kommen, wie sie scherzend meint: "Die verstehen mich ja alle nicht mehr!"

Umso besser, dass mit Tochter Irina mittlerweile die nächste Siegfahrerin herangewachsen ist. Sie debütierte 2016 auf der 100-km-Strecke an der Seite ihrer Mutter und fuhr prompt als Zweite über die Ziellinie.

Profibikerin Anita Krenn bei der Salzkammergut Mountainbike Trophy

Gerrit Glomser

Relativ unbekümmert geht auch Jubiläums-Stargast Gerrit Glomser an seinen insgesamt fünften A-Start (2x1., 1x4., 1x Defekt).

Hatte ihn in den Anfangsjahren die Herausforderung gereizt, zu Hause etwas nie Dagewesenes zu machen, nimmt sich der frühere Österreich-Rundfahrtssieger und Glocknerkönig für heuer nur eines vor: "Pflichttermin ist der Mäkki in Bad Ischl. Diesen Umweg habe ich versprochen.

Ob er sich, wie damals, aus Gewichtsgründen erneut ein Bike mit Starrgabel leihen wird, weiß der 42-Jährige noch nicht.

Sicher ist: Mit Rennradschuhen tritt der Jungunternehmer - als Firma Gairrit verleiht er Höhensimulationsgeräte - nicht nochmal an. Denn diese gingen sich beim früheren Tragestück hinter der Roßalm "bescheiden" und wären beinahe im Morast stecken geblieben.

Gerrit Glomser bei der Salzkammergut Mountainbike Trophy 1999

Gerrit Glomser bei seiner siegreichen A-Premiere 1999. Mit Starrgabel und Rennradschuhen ging der Straßenprofi ans Werk, das Tragen eines Helmes war damals noch nicht Pflicht.

Labstation bei der Salzkammergut Mountainbike Trophy

Das Rückgrat der Trophy sind ihre Helfer - stets zur Stelle, immer freundlich, unglaublich bemüht.

Festzelt bei der Salzkammergut Mountainbike Trophy

Das riesige Festzelt bleibt mittlerweile den ganzen Sommer über am Goiserer Marktplatz stehen und dient als Schauplatz für verschiedenste Veranstaltungen.

Zaungäste bei der Salzkammergut Mountainbike Trophy

Kaum ein Meter Trophy-Strecke ohne Unterstützung von außen. Gerade auch die einheimischen Zaungäste spenden allenthalben Applaus.

Georg Schwab bei der Salzkammergut Mountainbike Trophy 2013

Georg Schwabs Achillessehne ist das Gehen - mit ein Grund, warum sein Comeback als Behindertensportler 2013 schwierig war. Heuer will der Behindertensportler die 120 km schaffen.

Einmal Hölle und zurück

Für Georg Schwab ist hingegen seit März 2009 nichts mehr sicher. Im Sommer davor war der Niederösterreicher zuletzt am Start der B. Für das Folgejahr visierte er die Extremstrecke "mit Ziel sub 12" an. Ein verhängnisvoller Snowboard-Unfall vereitelte jedoch alle seine Pläne. Mit massiv gequetschtem Rückenmark fand sich der zweifache Familienvater im Rollstuhl wieder, konnte anfangs außer seinem Kopf nichts mehr bewegen.

Der gleiche unbeugsame Wille, der ihn einst in Goisern trotz zweier gebrochener Rippen noch finishen oder bei der WM-Schlammschlacht 2004 ins Ziel kommen ließ, verhalf der Kämpfernatur in den Folgejahren wieder zurück ins Leben. Heute ist Georg waschechter Olympionike, Weltcup-Podestfahrer, Staatsmeister und WM-Teilnehmer; ersteres im Para-Snowboarding, alles andere im Paracycling.

Im Herzen ist er jedoch - einer soliden Spastik, mangelnden Rumpfspannung und fallweisen Gefühllosigkeit im linken Sprunggelenk zum Trotz - Mountainbiker geblieben, wie unter anderem sein Trophy-Comeback 2013 auf der 50-km-Distanz ("ein Wechselbad der Gefühle") beweist.

Einer groben Berechnung der Organisatoren zufolge haben alle Trophy-Starter gemeinsam bis dato mehr als 4,8 Millionen Kilometer oder 120 Weltumrundungen abgespult. Diesem Pensum will der HTL-Lehrer heuer 120 hart erkämpfte Kilometer hinzufügen. Möge es passieren, wie in den letzten 19 Trophy-Jahren so vieles passiert ist ... einfach so.