Aufgedirndelt.

Was Vivienne Westwood, Gexi Tostmann und Sarah Wiener verbindet.

Nirgendwo trägt man Tracht so selbstverständlich wie im Salzkammergut. Und nirgendwo schneidert man das Dirndl mit soviel Liebe und Perfektion wie bei der Firma Tostmann in Seewalchen. Das schätzen auch Modeschöpferinnen mit Punk-Appeal und Köchinnen mit Promifaktor.

© Foto: Tostmann Trachten: Ein Model bei der Dirndl-Anprobe mit Vivienne Westwood
Ein Model bei der Anprobe eines Dirndls, rechts daneben Vivienne Westwood, die Details am Ärmel ändert.

Würden alle Frauen Dirndl tragen, gäbe es keine Hässlichkeit mehr auf der Welt.
Vivienne Westwood
Modedesignerin

Dieser Satz, ausgesprochen von der englischen Design-Ikone Vivienne Westwood anlässlich einer Podiumsdiskussion in Altaussee, ging durch die Presse. Die Modeschöpferin nahm damit all jenen, die das Dirndl bereits dem Untergang geweiht sahen, den Wind aus den Segeln.

Zugleich war es das erste Zusammentreffen mit einer anderen Ikone, der Trachtenexpertin und Volkskundlerin Gexi Tostmann aus Seewalchen. "Schon damals spürte ich: Unsere Seelen können miteinander", erinnert sich die Seniorchefin der Firma Tostmann. Und auch beruflich kam man sich näher: 2017 ließen Westwood und ihr Mann Andreas Kronthaler zum ersten Mal Haute-Couture-Modelle bei Tostmann schneidern. Bei der Pariser Modewoche im März 2018 gab es eine Neuauflage.

© Foto Tostmann Trachten: Vivienne Westwood, Andreas Kronthaler und Gexi Tostmann begutachten "Raschpatschen" aus Waldgras.
Vivienne Westwood begutachtet ein Paar "Raschpatschen" aus Waldgras, ihr Mann Andreas Kronthaler probiert bereits ein Paar an, rechts daneben Gexi Tostmann.

Vivienne Westwood begutachtet bei einem Besuch in der Bandlkramerey am Attersee sogenannte "Raschpatschen", wärmende Schuhe, die im oberösterreichischen Hausruck aus Waldgras gefertigt werden.

Ein Dirndl fürs Leben

"Vivienne redet nicht nur, sondern setzt Taten. Das bewundere ich an ihr", sagt Anna Tostmann-Grosser, die das Unternehmen nach ihrer Mutter nun in dritter Generation führt. Wie Westwood ist auch sie der Überzeugung, dass weniger mehr ist, und wahre Werte viel mit Wertschätzung zu tun haben - für das Handwerk, für die Menschen, für die Umwelt. "Manche kaufen sich ein Dirndl für 100 Euro, ohne dass ihnen bewusst ist, dass das billigste Fernostware und nach ein paarmal Tragen zum Wegwerfen ist. Damit hat man nicht wirklich Geld gespart." Ein Tostmann-Dirndl dagegen hat man ein Leben lang - entworfen und genäht in Seewalchen, aus Stoffen österreichischer Lieferanten und mit der Erfahrung von Jahrzehnten.

© Foto Tostmann Trachten: Gexi Tostmann (links) und Anna Tostmann-Grosser (rechts).
Gexi Tostmann (links) und Anna Tostmann-Grosser (rechts) in Dirndlkleidern.

Natürlich verschließt man sich auch hier nicht gewissen Moden. Nach einer Phase der langen Röcke sind die Dirndl nun wieder deutlich kürzer, die Schnitte dagegen etwas konservativer, klassischer, hochgeschlossener und weniger ausladend, weiß Anna Tostmann-Grosser.

Von Seewalchen in die Welt

Ein Laib Käse legte den Grundstein für den Geschäftserfolg: Ihn tauschte Marlen Tostmann für das erste Dirndl ein, das sie einer Kundin in Seewalchen auf den Leib schneiderte. 1949 gründete die gebürtige Linzerin gemeinsam mit ihrem Mann Jochen die Trachtenstube Tostmann. Schnell ging es bergauf, 1959 eröffneten die beiden im 1. Wiener Bezirk einen Salon. 1968 übernahm Tochter Gexi die Geschäftsführung, 2002 deren Tochter Anna. An beiden Standorten arbeiten heute rund 120 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, darunter fünf Lehrlinge. Marlen Tostmann starb im Herbst 2017 im Alter von 102 Jahren.

Der gute Geschmack

Eine Dirndlliebhaberin ist auch Sarah Wiener, die bekannte Fernsehköchin aus Berlin mit Wiener Wurzeln. Mit den Tostmann-Frauen verbindet sie eine innige Freundschaft, man kennt und schätzt sich und teilt diesselben Werte. "Trotz ihrer Berühmtheit ist Sarah total bodenständig. Ich lernte sie nach einem langen Drehtag kennen, als sie zu uns nach Hause kam. Wir haben uns von der ersten Minute an so verstanden, als ob wir schon ewig Freundinnen wären", erinnert sich Anna Tostmann-Grosser.

© Foto Tostmann Trachten - Sarah Wiener/Karin Lohberger: Sarah Wiener im Dirndlkleid mit Kindern an einem reich gedeckten Tisch im Freien.
Sarah Wiener und drei Mädchen sitzen in Dirndlkleidern an einem mit Obst und Kuchen reich gedeckten Tisch mitten in einem üppig grünen Garten.

Sommerfrische!

Allein der Name versprüht einen Zauber, dem bereits Mitte des 19. Jahrhunderts die Städter erlagen. Aus Wien, aus Linz und von anderswo kamen sie im Sommer ins Salzkammergut, um der Schwüle der Stadt und dem engen Korsett des Alltags zu entfliehen. Hier trugen sie lockere Sportkleidung, weite "Reformgewänder" (wie Gustav Klimts Muse Emilie Flöge sie liebte), Dirndl und Tracht. Während sich die Aristokratie im Gefolge des Kaisers eher am Traunsee und rund um Bad Ischl tummelte, zog es Künstler und Bürger seit jeher an den Attersee. Hier wohnte man im Privatquartier und nutzte die Natur für Ausflüge auf den Berg oder einen Sprung ins glasklare Wasser. Abends traf man sich mit Freunden und genoss die gute Küche und die Gastfreundschaft der Salzkammergutler. So vergingen die Sommermonate mit einem Wechsel aus Aktivität und Entspannung. Und das Beste ist: Das alles kann man heute noch genauso machen. Sommerfrische reloaded im Salzkammergut - einfach fein.

© Foto: Oberösterreich Tourismus GmbH./Robert Maybach: Salzkammergut in Oberösterreich
Zwei vollbärtige Herren und eine blonde Dame sitzen mit Getränken an einem Steg am Wolfgangsee in Oberösterreich. Eine Dame in einem Dirndl setzt sich lachend auf den Rücken von einem der beiden Herren. Im Hintergrund sieht man die Kirche von St. Wolfgang und die Berge des Salzkammerguts.

Das Dirndl

Gemustert, einfärbig, kurz, lang, geknöpft, geschnürt, mit mehr oder weniger freiem Blick aufs Dekollete: Das Dirndl ist so unterschiedlich wie seine Trägerinnen und in seinem Ursprung weit weniger ländlich als geglaubt. Es waren die betuchten Städterinnen, die in der Sommerfrische die Mode der Landmädchen imitierten und ausschmückten. Auch die feine Salzburger Festspielgesellschaft der 1920er-Jahre warf sich untertags in Dirndl und Lederhose. Später instrumentalisierten die Nationalsozialisten die Tracht für ihre Zwecke und drängten damit auch das Dirndl ins rechte Eck. Dort sollte es - zu Recht - nicht bleiben: Nach einigem Auf und Ab hat das Dirndl seit den 1990er-Jahren seinen Stammplatz im Kleiderschrank zurückerobert - diesmal in Stadt und Land. Und ganz besonders natürlich im Salzkammergut, wo man es mit soviel Grandezza trägt wie sonst nirgendwo.

Der Dirndl-Bausatz

Man nehme: 

  • eine Bluse (Langarm, Kurzarm, hochgeschlossen oder mit Ausschnitt)
  • ein Leibel oder Mieder (geknöpft, geschnürt, mit Hakenverschluss)
  • einen Rock (Baumwolle, Seide, Leinen, Samt)
  • eine Schürze (Baumwolle, Seide, Leinen, Blaudruck, Handdruck)

Alles zusammenfügen, dabei auf den Rat und die Hilfe von geschmackssicheren Trachtenexperten/-innen vertrauen - und fertig ist das Dirndl. Wer möchte, setzt auf weitere optionale Zutaten zum Dirndl-Look: Seiden-, Woll- oder Baumwolltücher, Spenzer, Hüte, Schmuck...

Saibling in der Pfanne gebraten

Rezept von Sarah Wiener aus dem Tostmann-Trachtenbüchel „Ein Tag am Attersee"

Zutaten:

  • Für jeden einen mittelgroßen Saibling (vom Fischhändler ausnehmen und schuppen lassen)
  • 1 Zitrone
  • Salz, Pfeffer
  • Mehl

Zubereitung:

Den Fisch innen und außen unter kaltem Wasser abspülen und trocken tupfen. Innen und außen mit Zitronensaft beträufeln und leicht mit Salz würzen. Die Fische in Mehl wenden und in einer beschichteten Pfanne in reichlich heißer Butter von beiden Seiten braten. Das dauert pro Seite 5 - 8 Minuten. Sofort auf vorgewärmten Tellern servieren. Dazu passen am besten Salzkartoffeln, die man mit zerlassener Butter und gehackter Petersilie verfeinert hat.

Das Rezept eignet sich auch für andere Portionsfische aus dem Süßwasser, also etwa Reinanken, Felchen und Forellen.

Das Trachtenbüchel "Ein Tag am Attersee" mit Sarah Wiener kann bei Tostmann Trachten online heruntergeladen oder per E-Mail bestellt werden.

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