© Foto: Oberösterreich Tourismus GmbH/Robert Machbach: Blaudruck in der Zeugfärberei in Gutau
Blaudruck in der Zeugfärberei in Gutau

Blau machen.

Zu Gast bei Blaudruckern und Leinenwebern

Wo neue Ideen auf altes Handwerk treffen, ist Raum für richtig guten Stoff. So auch im Mühlviertel, das seit jeher für feines Leinen und leuchtenden Blaudruck steht. Ein Besuch im textilen Herzen von Oberösterreich.

Aus Spaß am Experiment

Gutau im unteren Mühlviertel, 2.700 Einwohner, ein Schloss, ein Färbermuseum, gewachsene Strukturen. Und die noch recht junge "Zeugfärberei" in der alten Schule. Durch eine unscheinbare Seitentür betritt man die "Experimentalwerkstatt für Blaudruck, Siebdruck und Textilfärberei", wie das Schild über der Tür verrät.

Schon am Eingang wird klar: Die Zeugfärber haben sich weniger der Tradition als dem Experiment verschrieben. Aus Überzeugung, aber auch aus praktischen Gründen. "Als wir anfingen, hatten wir keine Model, wie sie für den klassischen Blaudruck benötigt werden", erinnert sich Janina Wegscheider, die mit Maria Steiner und Martin Lasinger den harten Kern der Zeugfärberei bildet.

Also probierte man es mit Siebdruck, alten Musterwalzen und Batik-Techniken. So entstanden und entstehen unverwechselbare Stücke mit Charme und Anklängen an die lange Blaudrucktradition des Mühlviertels. Leinenweber und Blaudrucker lebten hier schon immer in Symbiose: Die Bauern bauten Flachs an, woben aus der Faser Leinen und brachten dieses zu den Blaudruckern zum Färben.

© Foto: Oberösterreich Tourismus GmbH/Robert Maybach: Janina Wegscheider von der Zeugfärberei
Janina Wegscheider von der Zeugfärberei

Zweites Leben für Stoffe

Die Zeugfärber drucken und färben auf gebrauchten Stoffen vom Flohmarkt - meist Baumwolle oder Leinen - oder auf neuen Fairtrade-T-Shirts. Lange tüftelten sie an der perfekten Mischung für die Küpe, dem Indigo-Farbbad, das dem Blaudruck seine charakteristische Farbe gibt. Auch für den Papp, der vor dem Färben auf den Stoff aufgetragen wird und später das Weiß im Blau ergibt, musste das junge Team lange experimentieren. "Nach drei Jahren haben wir jetzt langsam das Gefühl, dass es funktioniert", meint Janina und lächelt. Dann versenkt sie eine dicke Stoffbahn in der Küpe.


Uns geht es nicht um Produktion im großen Stil, sondern um Wissensvermittlung und das gemeinsame Tun.
Janina Wegscheider
Blaudruckerin, Zeugfärberei
© Foto: Oberösterreich Tourismus GmbH/Robert Maybach: Indigostücke im Glas in der Zeugfärberei
Indigostücke im Glas in der Zeugfärberei

Tipp:

Jeden letzten Sonntag im Monat lädt die Zeugfärberei zur offenen Experimentalwerkstatt (11:00 bis 18:00 Uhr). Gegen eine freiwillige Spende können Interessierte färben, drucken, nähen, Kaffee trinken, zusehen und lernen. Anmeldung und Vorkenntnisse sind nicht nötig, das Material gibt es vor Ort.

© Foto: Oberösterreich Tourismus GmbH/Robert Maybach: In der Zeugfärberei in Gutau werden Stoffe mit der Blaudruck-Technik gefärbt
In der Zeugfärberei in Gutau werden Stoffe mit der Blaudruck-Technik gefärbt

Tipp:

Wer Blaudruck in seiner traditionellen Form erleben möchte, sollte einen Ausflug nach Bad Leonfelden einplanen. Hier ist die Blaudruckerei Wagner daheim. Seit beinahe 140 Jahren wird im Familienbetrieb von Karl und Maria Wagner auf Leinen gedruckt und gefärbt - mit hölzernen Modeln und ausschließlich per Hand.

Wo alle Fäden zusammenlaufen

Wer sich fürs Weben, für Leinen oder ganz generell für textile Techniken interessiert, ist im Textilen Zentrum Haslach richtig. Hier wird der langen Geschichte der Mühlviertler Leinenweberei ein neues Kapitel hinzugefügt. Untergebracht ist das Textile Zentrum in der ehemaligen Jacquardweberei der Familie Vonwiller. Unter ihrem riesigen Dach findet sich das Webereimuseum, die "Manufaktur Haslach", ein sozioökonomischer Betrieb, in dem Schafwolle verarbeitet wird, sowie die "Weberie", in der hochwertige Gewebe in Kleinserien gefertigt werden. Auch der Verein Textile Kultur Haslach ist hier daheim; er organisiert u.a. Workshops, Sonderausstellungen und einmal jährlich den überaus sehenswerten Webermarkt. Außerdem gehen im Textilen Zentrum Studenten ein und aus: Es gibt eine Kooperation mit der Kunstuni Linz. 

© Foto: Oberösterreich Tourismus GmbH/Robert Maybach: Webereimuseum in Haslach
Webereimuseum in Haslach

Vom Lein zum Leinen

Das Mühlviertel ist nicht nur eine schöne, sondern auch eine karge Gegend mit mageren Böden und viel Niederschlag. Deshalb konnte sich hier der Flachs (auch Lein genannt) etablieren, eine Pflanze mit niedrigen Ansprüchen und hoher Verwertbarkeit. Schon im 13. Jahrhundert bauten die Bauern das blaublühende Gewächs an. 

© Foto: Oberösterreich Tourismus GmbH/Robert Maybach: Blau blühender Flachs im Mühlviertel
Blau blühender Flachs im Mühlviertel

Im Winter wurden die Fasern von den Frauen zu Garn versponnen und anschließend von den Männern verwebt. So entstand im Lauf der Jahrhunderte ein blühendes Gewerbe mit regen Handelsbeziehungen in alle Welt. Der Niedergang kam mit dem Aufstieg und billigen Import von Baumwolle und der Massenproduktion im 20. Jahrhundert. Nach einer Talsohle in den 1970er-Jahren geht es seit einigen Jahren wieder bergauf: Einige kleinere handwerkliche und teils sehr exklusive Webereien gingen aus der Krise gestärkt hervor.

Hier wird gewebt:

© Foto: Oberösterreich Tourismus GmbH: Leinenwebe bei Leitner Leinen in Ulrichsberg
Leinenwebe bei Leitner Leinen in Ulrichsberg

Vom Lein zum Leinöl

Der Flachs (auch Lein genannt) liefert nicht nur Material für Stoffe. Aus den Samen - einem Abfallprodukt der Leinenproduktion - wird ein äußerst wertvolles Öl gewonnen. Besonders das kaltgepresste Leinöl ist ein wahrer Jungbrunnen. Die Familie Koblmiller weiß, wie's geht - seit mehr als 650 Jahren wird in ihrer Mühlviertler Ölmühle Öl gepresst. Theresa Koblmiller leitet den idyllisch an der Steineren Mühl gelegenen Betrieb. Das Leinöl ist das Aushängeschild der Mühle, aber auch Sesam, Hanf, Mohn, Kürbiskerne und Distelsamen wandern in die Ölpresse.

© Foto: Oberösterreich Tourismus GmbH/Robert Maybach: Ölmühle Koblmiller in Haslach
Blick in die Produktion der Ölmühle Koblmiller in Haslach

Tipp:

Die Familie Koblmiller hat Gerätschaften früherer Ölmüllner zusammengetragen und damit ein kleines Museum bestückt. Es kann – ebenso wie die Mühlviertler Ölmühle – gegen Voranmeldung besucht werden (ab zehn Personen).

© Foto: Oberösterreich Tourismus GmbH/Robert Maybach: Mühlviertler Ölmuehle Museum
Mühlviertler Ölmuehle Museum

Kulinarisches im Kulinarium

Auch die Küche des Mühlviertels ist vom Lein geprägt: Wer in der Gegend unterwegs ist, sollte unbedingt Leinölerdäpfel kosten. Besonders gut kommen diese im Kulinarium Vonwiller in Haslach auf den Tisch. Elke und Günther Wolfmayr servieren das Mühlviertler Regionalgericht mit viel gesundem Öl und kräftig gewürzt. Dazu ist man Brot oder Salat. Probieren!

© Foto: Oberösterreich Tourismus GmbH/Robert Maybach: Kulinarium Vonwiller in Haslach
Blick hinter die Schank des Kulinarium Vonwiller in Haslach

Rezept Mühlviertler Leinölerdäpfel

Zutaten für 4 Personen: 

  • 1,5 kg Erdäpfel
  • 1/4 l Milch
  • 1/8 l Rahm
  • Salz
  • Leinöl nach Belieben

Erdäpfel mit der Schale kochen, schälen und blättrig schneiden. Mit heißer Milch übergießen und vorsichtig rühren. Mit Obers verfeinern, mit Salz (eventuell auch mit Pfeffer) würzen und mit Leinöl vermengen. Achtung: das Leinöl soll auf keinen Fall zu starkt erhitzt werden, weil es sonst die wertvollen Inhaltsstoffe verliert. Zum Servieren kommt noch einmal ein Schuss Leinöl darüber und nach Belieben Schnittlauch oder Kresse.

© Foto: Oberösterreich Tourismus GmbH/Robert Maybach: Leinölerdäpfel - eine Mühlviertler Spezialität
Leinölerdäpfel - eine Mühlviertler Spezialität

Leinen, ganz edel

Seit mehr als 160 Jahren – genauer gesagt seit dem Jahr 1853 –produziert die Familie Leitner in Ulrichsberg Leinen. Und was für eines: in allerhöchster Qualität und für allerhöchste Ansprüche. Nicht nur klassische Bett- und Tischwäsche, auch feine Pyjamas, Bademäntel und Kleider, Vorhänge, Möbelstoffe und Acessoires für Haus und Bad verlassen das Werk und gehen in alle Welt. Während im Lauf der Jahrzehnte im Mühlviertel immer mehr Webereien schließen mussten, schaffte Friedrich Leitner in den Neunzigerjahren den Sprung in große Metropolen und auf internationale Märkte. 

© Foto: Oberösterreich Tourismus GmbH: Leinenstoffe von Leitner Leinen
Leinenstoffe von Leitner Leinen

Tipp:

Leinen & mehr kann direkt bei Leitner Leinen vor Ort in Ulrichsberg gekauft werden. Es gibt einen Fabriksverkauf, bei Interesse wird ein Rundgang durch die Firma (Weberei, Näherei) angeboten. Der Fabriksverkauf ist Montag bis Freitag von 9:00 bis 12:00 und 13:00 bis 17:00 Uhr sowie am Samstag von 10:00 bis 16:00 Uhr geöffnet.

Diese Reportage wurde von Silvia Pfaffenwimmer recherchiert und verfasst.

Blaudruck zum Erleben

Führung in der Handblaudruckerei Wagner

Erleben Sie bei einer Führung durch den Betrieb, wie Blaudruck funktioniert, wie die Stoffe vorbereitet und gefärbt werden und zu welch einzigartigen Kleidungsstücken und Dekorationselementen die Blaudruck-Stoffe verarbeitet werden.

Färbermuseum Gutau

Im "Färberhaus" in Gutau wurde noch bis 1968 gearbeitet, gefärbt und der begehrte "Blaudruck" hergestellt. Als die letzte Färbermeisterin, Frau Margarethe Krennbauer, in Pension gegangen ist, wurde aus der Färberei das Färbereimuseum Gutau.

Färbermarkt Gutau

Jedes Jahr, jeweils am ersten Sonntag im Mai, treffen sich in Gutau Färber aus Deutschland, Ungarn, Tschechien, Slowakei und Österreich, sowie Leinenweber und Kunsthandwerker beim traditionellen Färbermarkt.

Kostbare Öle entdecken und schmecken

Führung in der Mühlviertler Ölmühle

In der Mühlviertler Ölmühle wird seit mehr als 600 Jahren gemahlen und hochwertiges Leinöl erzeugt. Aber auch Hanföl, Sesamöl, Distelöl, Mohnöl und Sonnenblumenöl werden hier gepresst. Bei einer Führung durch den Betrieb gewinnt man einen Einblick in die Produktion und in der Museumsmühle schwelgt man in längst vergangenen Zeiten.

farmgoodies

Die farmgoodies in Niederwaldkirchen arbeiten mit ca. 20 Bio-Landwirten aus der Region zusammen, die den wertvollen heimischen Rohstoff für die kaltgepressten Öle liefern. Sie haben sich auf die Produktion von heimischen Bio-Lebensmitteln aus regionalem Anbau spezialisiert. Ab-Hof-Verkauf von Montag bis Samstag von 08:00 - 12:00 Uhr.

Kulinarium Vonwiller

Das Gasthaus Vonwiller in Haslach wird liebevoll von den Geschwistern Elke Pröll und Günther Wolfmayr geführt. Es ist eine wunderbare Location um die Leinölerdäpfel, mit Leinöl aus der Mühlviertler Ölmühle zu probieren. Die Einkehr lässt sich toll mit dem Besuch in der Ölmühle kombinieren. Geöffnet: täglich außer Mittwoch.

Auf den Spuren edler Stoffe

Leinenmanufaktur Leitner

Ästhetik und Qualität sind die Versprechen der Leinenmanufaktur Leitner in Ulrichsberg. Edle Stoffe werden hier mit zeitlosen Dekors etwa zu Bett- und Tischwäsche verarbeitet. Bei einem Besuch vor Ort kann man nicht nur einkaufen sondern auch einen Rundgang durch Weberei und Näherei machen.

Textiles Zentrum Haslach

Hier schlägt das textile Herz des Mühlviertels: von Mühlviertler Textilgeschichte und die Produktion, über die Organisation des Webermarkts bis hin zu Textilkursen für Anfänger und Profis und Kunstprojekten. im Rahmen einer Führung kann man die Entstehung der Stoffe hautnah miterleben.

Webermarkt Haslach

Jedes Jahr im Juli wird der Ortsteil Stelzen in Haslach zwei Tage lang zum Mekka für Liebhaber des feinen Zwirns. Beim weit über die Grenzen hinaus bekannten Markt bieten knapp 100 Textilschaffende erlesene, handgefertigte Produkte zum Kauf an. Nächster Webermarkt: 27. und 28. Juli 2019.

Weitere Informationen zum Mühlviertel

Kontakt & Service

Tourismusverband Mühlviertler Alm - Freistadt
Lebensquellplatz 1
4283 Bad Zell

+43 5 07263
info@tourismus-badzell.at
www.muehlviertel-almfreistadt.at

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+43 5 7890-100
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Mühlviertel Tourismus Information
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