© Foto: Gregor Kuntscher: Elisabeth Schmied
Drehbuchautorin Elisabeth Schmied posiert in der U-Bahn für ein Foto.
Drehbuchautorin Elisabeth Schmied posiert in der U-Bahn für ein Foto.

"Das ist das Drehbuch meines Lebens"

Sie hat das Buch zum teuersten, rein in Österreich produzierten Film geschrieben: 'Klammer – Chasing the Line'. Elisabeth Schmied weiß, wie Worte wirken, ist scharfe Beobachterin und mag es, Menschen zu skizzieren. Natur-Tanken und entspannen kann die Wahl-Wienerin am besten am Traunsee. Was sie reizen würde? Ein Drehbuch über Extrembergsteigerin Gerlinde Kaltenbrunner.

© Foto: Photo Plohe: Elisabeth Schmied und Franz Klammer.
Drehbuchautorin Elisabeth Schmied und Skilegende Franz Klammer sitzen im Kino anlässlich des Films 'Klammer – Chasing the Line'

Ihre Leidenschaft gehört dem Science Fiction Genre. „Das ist für mich als Drehbuchautorin sicher ein Alleinstellungsmerkmal“, erzählt Elisabeth Schmied und schenkt etwas Tee nach.

Sie hat gerade eine spannende Zeit mit roten Teppichen, Kino-Premieren und zahlreichen Promis hinter sich. Denn der mit 5,5 Millionen Euro Budget bezifferte Film 'Klammer – Chasing the Line' läuft seit kurzem in den Kinos. Ein aufwändiger Film, der die Tage rund um den Abfahrtslauf der Olympischen Winterspiele am 5. Februar 1976 erzählt. Er handelt vom Druck, der auf dem damals 22-jährigen Abfahrtsläufer Franz Klammer lastete und wie er es schaffte, damit umzugehen.


Das ist sicher bisher mein berufliches Highlight, quasi das Drehbuch meines Lebens.

Die Idee zu einem Film über Österreichs Skilegende gab es schon mehr als zehn Jahre. Aber ein Drehbuch über den Rennläufer war in Autoren-Kreisen ein heißes Eisen. "Alle sagten: 'Der Klammer ist schwierig zu schreiben. In seinem Leben ist kein Drama. Der ist glücklich verheiratet, hat immer gewonnen und hatte keine Skandale.'"

Aber Elisabeth Schmied und ihr Co-Autor Andreas Schmied fanden in der Biografie des Olympia-Siegers dann doch einen Bruch und brachten diesen gekonnt zu Papier. Sie stellten die Frage:

"Was hat Franz Klammer gebraucht um Sieger zu werden? Welche Hindernisse gab es? Was musste er lernen? Und die Schlüsselfrage ist sicherlich: Was hat er im Leben von seiner Frau gelernt?"

Wels - Vorchdorf - New York - Wien

Geboren in Wels, aufgewachsen in Vorchdorf, hat es die Wahl-Wienerin zu einem Drehbuch-Studium nach New York City gezogen.

"In Österreich gibt es den mysteriösen Kunstbegriff des Schreibens. Dabei gibt’s da einige Techniken und Tricks, wie man Geschichten spannend erzählen kann", erinnert sich Schmied an ihre Ausbildung als Autorin.

Mehrere Bücher, Theaterstücke und Drehbücher hat sie bereits verfasst. Besonders wichtig dabei ist eine scharfe Beobachtungsgabe, ein Blick für Menschen, Details und Biografien.

© Foto: Franz Buchegger: Elisabeth Schmied am Traunfall in Desselbrunn.
Portraitfoto der Drehbuchautorin Elisabeth Schmied. Sie posiert vor dem Traunfall in Desselbrunn in Oberösterreich.

Ich erkenne die Oberösterreicherinnen und Oberösterreicher schon meist aus der Ferne. Sie sind dynamisch. Die Frauen sind echte Macherinnen!

Drehbücher überzeichnen immer ein wenig. Wie wäre Oberösterreich als Drehbuch?

Also was ich jetzt sage ist subjektiv. Aber ich glaube, dass die Frauen dynamischer sind als anderswo. Echte Macherinnen. Und sie sehen irgendwie französisch aus. Soll heißen: Ausdrucksstarke Augen und kantige, schmale Gesichter. Ich erkenne die Oberösterreicherinnen und Oberösterreicher meist schon aus der Entfernung. Sie sind sehr dynamisch. Die Männer sind bodenständig und die Frauen flexibel. Das merkt man schon an den Bewegungen. Außerdem sind die Oberösterreicherinnen und Oberösterreicher sehr freundliche Menschen.

Oh. Das ist ja quasi eine kleine Liebeserklärung…

Natürlich! Ich bin gerne in Oberösterreich, tanke Natur und lasse mich inspirieren.

Oberösterreich hat so viel zu bieten: Da ich am Land aufgewachsen bin, ist es mir in meinen Drehbüchern sehr wichtig, ein modernes Bild der Landbevölkerung zu zeichnen. Denn: Die Menschen dort haben WiFi, sind fesch angezogen und gestylt, oft fescher als in den Städten. Das sind offene und freundliche Menschen, die in Filmen oder Büchern oft als engstirnige, trinkende Förster skizziert werden.

Was gehört für Sie bei einem Oberösterreich-Besuch dazu?

Der Traunfall, ein Steckerlfisch und ein Ramsauer Spitz! Mein Großvater hatte ein Segelboot am Traunsee, da habe ich sehr viele schöne Kindheitserinnerungen – oft waren wir am Campingplatz in Altmünster baden. Der Traunstein, der Sonnstein und die Schlafende Griechin inspirieren mich immer wieder. Ich bin auch gerne im Wald. Dort bekomme ich ein anderes Zeitgefühl, eine Erdung und kann entschleunigen. Die Natur regt meine Phantasie sehr an.

Welches Drehbuch würden Sie gerne schreiben?

Darüber kann ich aktuell gar nicht nachdenken, weil ich so viel Arbeit habe im Moment. Morgen habe ich wieder eine Abgabe für den Fernsehsender SWR: Es ist eine Komödie, die im ARS Electronica Center und in der Tabakfabrik spielt. Es geht um junge Erwachsene, die in der Start-Up-Szene konkurrieren und sich gegenseitig das Leben schwer machen.

Aber was mich jedenfalls reizen würde: Ein Film über Extrembergsteigerin Gerlinde Kaltenbrunner. Sie ist eine sehr spannende Persönlichkeit. Ein Film über Vincent Kriechmayr wäre auch sicher interessant. Aber da müssen noch ein paar Jahre vergehen…

© Foto: Franz Buchegger: Elisabeth Schmied am Pöstlingberg in Linz.
Portraitbild von Drehbuchautorin Elisabeth Schmied am Pöstlingberg. Im Hintergrund überblickt man Linz.

WORDRAP

An meinem Job liebe ich…
eigentlich alles.

Mein Lieblingsfilm ist…
Point Break – Gefährliche Brandung.

Zuletzt geweint habe ich…
bei der Serie „Everwood“.

Ein perfekter Sonntag beginnt für mich…
mit einem Familienfrühstück.

Kino ist für mich…
Immer ein Event mit Abenteuer, Spannung und Popcorn.

An Oberösterreich vermisse ich…
den Geruch von frisch gemähtem Gras.

Entspannen kann ich…
beim Kochen oder in der Natur.

Elisabeth's Inspirationsquellen in Oberösterreich